Fallbeispiel:

> Sabine R., 18 Jahre alt, besucht die 13. Klasse Gymnasium und bekam die Testuntersuchung und berufliche Beratung von einer Tante als vorweggenommenes Abiturgeschenk, da sie sich trotz gründlicher Information noch nicht für ein bestimmte Ausbildung entschieden hatte. In Gesprächen mit den Eltern, Bekannten und Freunden wurde immer wieder Jura als Studienfach in Erwägung gezogen.

Aufgrund dessen nahm Sabine an der umfassenden Begabungs- und Interessenuntersuchung teil. Bei weit überdurchschnittlicher Grundintelligenz zeigten sich bei Sabine Probleme in der Entfaltung dieser Intelligenz, wenn Prüfungsbedingungen sie unter einen spürbaren Stress setzen. Dann verlangsamen sich ihre geistigen Kräfte und sie entwickelt Hemmungen. In der Begabungsstruktur erzielte Sabine im Vergleich zu gleichaltrigen Gymnasiasten weit überdurchschnittliche Werte im räumlichen Vorstellungsvermögen und im abstrakt-logischen Denken. Überdurchschnittlich im Vergleich zu ihren Altersgenossen waren ihre Werte im sprachlich-schlussfolgernden Denken und im sachlogischen Umgang mit Zahlen.

Alle übrigen geprüften Fähigkeiten blieben im Vergleich zu Gymnasiasten im Ergebnis durchschnittlich.

Damit war klar, dass das Jurastudium sie mit dafür durchschnittlichen Begabungswerten sicherlich nicht überfordert hätte, aber es hätte mit den vorhandenen hohen Begabungen nichts zu tun gehabt und sie deshalb wahrscheinlich nicht ausgefüllt.

Die Prüfung der Interessen ergab sowohl hohe Neigungen, sich mit Kunst und künstlerischem Schaffen als auch mit Sprache (Sprechen und Schreiben) auseinander zu setzen.

Eine zunächst eher oberflächliche Unterhaltung erbrachte keine Anhaltspunkte für Neigungen und Interessen, die in Richtung künstlerischer, kunsthandwerklicher oder architektonischer Arbeiten gegangen wären. Im weiteren Verlauf des Gesprächs zeigte sich jedoch, dass Sabine ihre hohen gestalterischen Bedürfnisse und Fähigkeiten regelmäßig bei der Umgestaltung ihres Zimmers in der elterlichen Wohnung auslebt und dies in einem Ausmaß, das auch den Eltern ungewöhnlich erschien.

Wir schlagen ihr vor, sich damit auseinander zu setzen, ob sie eine Ausbildung im gestalterischen Bereich machen möchte. Da diese Entscheidung nicht ad hoc getroffen werden soll, treffen wir uns einige Wochen später abermals zu einem Beratungstermin.

Sabine wird nach dem Abitur eine einjährige gestalterische Basisausbildung in der Werkstatt Werkbund in Nürnberg machen, die auch als Vorpraktikum für Kunst- und Designschulen anerkannt wird. Diese wird ihr auch die Entscheidung für einen Studiengang erleichtern, da sie zurzeit noch zwischen Innerarchitektur und Szenographie schwankt. Nach der einjährigen gestalterischen Basisausbildung sind weitere Beratungsgespräche geplant.

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